KREDIT | FINANZIERUNG | DARLEHEN | INVESTITION

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KREDITWESEN


Allgemeines

Anders als bei Blankokrediten geht es bei der Beleihung („Beleihungskredit“) um die Hereinnahme von Kreditsicherheiten durch Kreditinstitute zwecks Kreditgewährung.

Wird das Beleihungsobjekt kurzfristig verkauft (und gehört zum Umlaufvermögen), handelt es sich um einen selbständigen Beleihungskredit, gehört es als Anlagevermögen zum dauerhaften Unternehmensvermögen, liegt ein unselbständiger vor. Häufig wird der Begriff Beleihung einengend lediglich für Immobilien als Kreditsicherheit verwendet, bankbetrieblich jedoch ist hierunter jede durch eine Sachsicherheit gesicherte Kreditgewährung zu verstehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kreditsicherheit (Beleihungsobjekt) für andere Kredite haften soll oder die Beleihung der Finanzierung ihres Erwerbs dient. Ebenso ist ohne Belang, ob das Beleihungsobjekt dem Kreditnehmer selbst gehört oder einem dritten Sicherungsgeber.

Beleihungsarten

Neben Grundstücken,  Grundstücksgleichen Rechten und Wohnungs- und Teileigentum (bei Investitionskrediten, Immobilienfinanzierungen von Wohn- und Gewerbeimmobilien) kommen für die Beleihung auch bewegliche Sachen und Rechte infrage. Hierzu gehören die Sicherungsübereignung allgemein (Maschinen, Waren), Sicherungsübereignung von Kraftfahrzeugen, Verpfändung von Sachen/Rechten, Sicherungsabtretung von Forderungen (insbesondere Global- und Mantelzession bei Unternehmensfinanzierungen, Lohn- und Gehaltsabtretung bei Konsumkrediten, Bankguthaben und Wertpapiere). Es handelt sich hierbei um bankübliche Sachsicherheiten.

Verfahren

Beliehen werden diese banküblichen Sachsicherheiten, indem sie von der beleihenden Bank im Rahmen der Sicherheitsbewertung zunächst einer Wertermittlung aufgrund eingereichter Beleihungsunterlagen und bankeigener Unterlagen unterzogen werden. Das abschließende Werturteil ergibt einen Beleihungswert, von welchem ein bestimmter Prozentsatz, die Beleihungsgrenze, maximal als Kredit gegen das Beleihungsobjekt gewährt werden darf. Der Beleihungsauslauf schließlich gibt an, ob bei der Kreditgewährung unter Berücksichtigung etwaiger Vorbelastungen die Beleihungsgrenze eingehalten wird. Im Sicherungsvertrag – der separat geschlossen oder mit dem Kreditvertrag kombiniert werden kann – erfolgt die rechtliche Übertragung der als Sicherheit dienenden Vermögenswerte auf die Bank. Mit dieser Übertragung und der Kreditzusage beginnt die Beleihung.

Aufsichtsrechtliche Anerkennung

Die Capital Requirements Regulation (CRR) erkennen Sachsicherheiten als sogenannte Kreditrisikominderungstechnik an. Danach können Sachsicherheiten als „Bescherung mit Sicherheitsleistung“ (Art. 4 Abs. 1 Nr. 58 CRR) unter bestimmten Voraussetzungen von einer Risikoposition abgesetzt werden, was zu einer geringeren Eigenmittelunterlegung bei Kreditinstituten führt. Dazu ist erforderlich, dass nach Art. 194 CRR Kreditsicherheiten in allen relevanten Rechtsräumen rechtswirksam und durchsetzbar sind. Art. 207 Nr. 3 CRR schreibt vor, dass Kreditsicherheiten durch rechtliche Prüfung alle vertraglichen und gesetzlichen Anforderungen an die Durchsetzbarkeit ihres Sicherungsrechts in ihrem Rechtssystem erfüllen müssen und dies bei Bedarf zu wiederholen ist. Damit sollen Rechtsrisiken vermieden werden, die im Falle rechtsunwirksamer oder nicht durchsetzbarer Sicherungsverträge zu den operationellen Risiken gerechnet werden müssen (Art. 4 Abs. 1 Nr. 52 CRR). Je nach Volatilität sind die Sicherheiten im Extremfall täglich neu zu bewerten. Die Sicherheiten müssen nach Art. 194 Nr. 3b CRR ausreichend liquide sein und ihr Wert im Zeitablauf muss ausreichend stabil bleiben; eine zeitnahe Verwertung oder Einbehaltung muss gewährleistet sein (Art. 194 Nr. 4 CRR). Die positive Korrelation zwischen den Sicherheiten und der Kreditnehmerbonität darf nicht sehr hoch sein (Art. 194 Nr. 4 CRR). Das betrifft beispielsweise die Kreditgewährung an eine Aktiengesellschaft, die durch die Verpfändung von deren Aktien besichert werden soll. Positive Korrelation bedeutet hierbei, dass mit der Verschlechterung der Bonität der Gesellschaft im Regelfall auch ein Kursverfall der beliehenen Aktien einhergeht.

Finanzierung

1. Im engeren Sinne: Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital zur Aufrechterhaltung des laufenden Geschäfts-
Betriebes und zur Durchführung von Investitionen.

2. Im weiteren Sinne: Steuerung des gesamten Zahlungsmittelbereichs, um Illiquidität (Zahlungsunfähigkeit) zu vermeiden.

Beschaffung finanzieller Mittel / Verfügungsgewalt über Geld = Kapital-.

Eine alternative Definition ist als monetärer Finanzierungsbegriff bekannt, wonach unter Finanzierung die Gesamtheit der Einzahlungen sowie der vermiedenen Auszahlungen verstanden wird.

Finanzierungen sind die Voraussetzung für die Durchführung von Investitionen. Quellen und Formen der betrieb-
lichen Finanzierung lassen sich nach verschiedenen Kriterien systematisieren. Nach der Rechtsstellung der Kapitalgeber erfolgt die Einteilung in Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung.

Eigenfinanzierungen führen dem Unternehmen Eigenkapital durch Gewinneinbehalt oder Einzahlungen von Kapitalgebern zu. Eigenkapital zeichnet sich u. a. dadurch aus, dass es dem Unternehmen ohne zeitliche Befristung und gegen eine gewinnabhängige Vergütung zur Verfügung gestellt wird. Die Eigenkapitalgeber halten darüber hinaus die Leitungs- und Verfügungsrechte an dem Unternehmen und übernehmen die Haftung im Konkursfall. Fremdfinanzierungen sind zeitlich begrenzte Kapitalüberlassungen gegen Zins- und Rückzahlungsverpflichtung des Kapitalnehmers.

Nach der Herkunft der finanziellen Mittel werden die Formen der Außenfinanzierung von denen der Innenfinanzierung unterschieden. Bei der Außenfinanzierung handelt es sich um Finanzmittel, die dem Unternehmen von außerhalb zufließen. Wenn Eigenkapital von außen zufließt, handelt es sich um eine Beteiligungsfinanzierung. Handelt es sich bei dem Finanzmittelzufluss von außen um Fremdkapital, so spricht man von Kreditfinanzierung oder auch Fremdfinanzierung. Die Trennlinie zwischen Beteiligungs- und Kreditfinanzierung lässt sich nicht eindeutig ziehen. Finanzierungen, die Eigenschaften der Beteiligungs- und Kreditfinanzierung verbinden, sind die Ausgabe von Genussscheinen, Wandelanleihen und Optionsanleihen sowie von nachrangig gesichertem Fremdkapital. Nachrangiges Fremdkapital zeichnet sich dadurch aus, dass es im Konkursfall erst nach Erfüllung der Ansprüche der übrigen Fremdkapitalgeber bedient wird. Damit entfällt auf das nachrangige Fremdkapital ein Teil der Haftungsfunktion, die üblicherweise dem Eigenkapital zugeschrieben wird.

Wenn aus der operativen Tätigkeit des Unternehmens Finanzierungseffekte resultieren, handelt es sich um eine Form der Innenfinanzierung. Diese erfolgt zum einen aus der Differenz zwischen den laufenden Einzahlungen und Auszahlungen einer Periode (Cashflow), zum anderen aus dem Zufluss finanzieller Mittel aus dem Verkauf von Vermögenswerten. Neben diesen Grundformen der Finanzierung haben sich zahlreiche Sonderformen, Mischformen und Finanzinnovationen gebildet, deren Einordnung in die traditionellen Finanzierungskategorien teilweise problematisch ist. Hinzu treten Finanzierungen, die an bestimmte Situationen oder institutionelle Bedingungen geknüpft sind. Hierzu zählen u. a. die Gründungsfinanzierung, Venture Capital Finanzierung), Wachstumsfinanz-
ierung, Sanierungsfinanzierung, Außenhandelsfinanzierung, Projektfinanzierung und Subventionsfinanzierung.

Folgt man einem engen Finanzierungsbegriff, dann ist unter Finanzierung lediglich die Beschaffung von Eigenkapital oder aber die Kapitalbeschaffung für Anlageinvestitionen zu verstehen.

Nach einer weiten Auslegung des Finanzierungsbegriffes dagegen ist Finanzierung die Summe aller Kapitaldispositionen im Leben eines Unternehmens.

Zwischen diesen Extremen findet sich ein häufig benutzter Begriff, wonach Finanzierung mit Kapitalbeschaffung und Kapitalverwendung gleichgesetzt wird.

Die unterschiedliche Begriffsausdehnung lässt sich an folgenden Entwicklungsstufen des Finanzierungsbegriffes darstellen:

1. Finanzierung = Kapitalbeschaffung

2. Finanzierung = Kapitalbeschaffung, Fremdkapitaltilgung und Kapitalumschichtung

3. Finanzierung wird auf die Vermögenssphäre ausgedehnt.
Es gilt: Finanzierung = Kapitalaufbringung und Kapitaldisposition.

4. Finanzierung wird monetär gesehen. Finanzierung ist die Gestaltung betrieblicher Zahlungsströme.

Als zweckmäßig hat sich die vierte Definition erwiesen. Danach ist Finanzierung die Gestaltung betrieblicher Zahlungsströme. Eine einzelne Finanzierung, z. B. ein Kredit, ist eine Zahlungsreihe, die mit einer Einzahlung beginnt und später Auszahlungen verursacht.

Investition und Finanzierung unterscheiden sich nur durch das Vorzeichen. Denn der Kredit, der aus Kredit-
nehmersicht eine Finanzierung darstellt, ist aus Banksicht eine Investition, eine Zahlungsreihe, die mit einer Auszahlung beginnt und spätere Einzahlungen erwarten lässt.

Arten:

Finanzierung lässt sich unter anderem nach folgenden Kriterien einteilen:

Häufigkeit, Frist, rechtliche Stellung des Geldgebers und Mittelherkunft.

Laufende und besondere Finanzierung:

Die laufende Finanzierung bezieht sich auf tägliche oder periodische Bedarfsfälle. Die besondere Finanzierung dagegen hat einmaligen oder gelegentlichen Charakter. Sie tritt beispielsweise bei Gründungen, Fusionen oder Sanierungen auf.

Kurz-, mittel- und langfristige Finanzierung:

Man spricht bei einer Finanzierungsdauer, die 1 Jahr nicht übersteigt, von kurzfristiger Finanzierung. Bei einem Zeitraum von 1 bis 5 Jahren liegt mittelfristige Finanzierung vor. Übersteigt der Zeitraum 5 Jahre, so spricht man von langfristiger Finanzierung.

Eigen- und Fremdfinanzierung:

Bei der Eigenfinanzierung wird der Unternehmung zusätzliches Eigenkapital zugeführt. Dies kann einmal in der Weise geschehen,  dass die alten Anteilseigner ihre Ansprüche gegen die Unternehmung erhöhen. Denkbar ist aber auch, dass neue Anteilseigner auftreten, die neue Ansprüche gegen die Gesellschaft erwerben. Bei der Fremdfinanzierung erfolgt die Zuführung von Fremdkapital, ohne das die Geldgeber Anteilseigner werden.

Außen- und Innenfinanzierung:

Außenfinanzierung liegt dann vor, wenn der Unternehmung von der Umwelt zusätzliche Geldmittel zugeführt werden. Begrifflich ist es gleichgültig, ob diese Mittel von den bisherigen Gesellschaftern bzw. Eigentümern (= Beteiligungsfinanzierung), weiteren (neuen) Anteilseignern (= Beteiligungsfinanzierung) oder von Fremdkapital-
gebern (= Fremdfinanzierung) kommen. Für den Begriff der Außenfinanzierung ist allein entscheidend,  dass die Finanzmittel extern aufgebracht werden. Man spricht deshalb auch von externer Finanzierung. Entsprechend liegt Innenfinanzierung oder interne Finanzierung vor, wenn die Geldmittel intern aufgebracht, also durch die Unternehmung selbst erwirtschaftet werden. Hauptquelle ist der Verkauf von Waren und Dienstleistungen,
d. h. die Erzielung von Umsätzen.

Finanzierung im engeren Sinne ist die Beschaffung von Eigenkapital und Fremdkapital, dessen Herkunft die Passivseite der Bilanz und dessen Verwendung in Anlagevermögen und in Umlaufvermögen die Aktivseite der Bilanz zeigt. Finanzierung im weiteren Sinne umfasst in Anlehnung an Wilhelm Kalveram alle zum Zwecke des Aufbaus und Abbaus von Unternehmungen notwendigen Eigenkapital- und Fremdkapitaloperationen und die Anpassung des der Unternehmung zur Verfügung gestellten Kapitals nach Höhe und Zusammensetzung an die gesteckten Ziele. Damit ist hinsichtlich der Höhe des Kapitals die Erhöhung und Herabsetzung der Kapitalseite angesprochen, die zu einer entsprechenden Erhöhung und Herabsetzung der Vermögensseite führt. Gleichzeitig ist hinsichtlich der Zusammensetzung des Kapitals eine Umschichtung von Eigenkapital in Fremdkapital und umgekehrt sowie eine Umschichtung von kurzfristigem Kapital in langfristiges Kapital und umgekehrt als Finanzierung definiert. Alle Finanzierungsmaßnahmen, die sich auf der Passivseite der Bilanz niederschlagen, werden auch als Passivfinanzierung bezeichnet. Das sind alle Kapitalzuführungen und alle Kapitalabführungen sowie alle Kapitalumschichtungen. Aber auch die Vermögensumschichtungen zählen zur Finanzierung. Sie werden als Aktivfinanzierung bezeichnet. Umschichtungen auf der Kapitalseite (Vermögensseite) führen nicht zu einer Änderung der Vermögensseite (Kapitalseite). Finanzierung ist eine betriebliche Funktion. Sie ist die finanzwirtschaftliche Sphäre des betrieblichen Umsatzprozesses; sie muss für die güterwirtschaftliche Sphäre (Beschaffung, Lagerung, Produktion und Absatz) die erforderlichen Mittel bereitstellen.

Arten der Finanzierung

Alle finanziellen Dispositionen des Unternehmens (Kapitalbeschaffung und Kapitalabfluss) im weitesten Sinne,
d. h.,

(1) die Bereitstellung von finanziellen Mitteln jeder Art einerseits zur Durchführung der betrieblichen Leistungs-
erstellung und Leistungsverwertung und andererseits zur Vornahme bestimmter außerordentlicher finanztech-
nischer Vorgänge (z. B. Gründung, Kapitalerhöhung, Fusion und Umwandlung),

(2) der Abfluss finanzieller Mittel in allen Formen (z. B. durch Rückzahlung von Eigenkapitaleinlagen und Krediten, Entnahme von Gewinnen, Auflösung von Rücklagen sowie aufgrund von Verlusten). Der Kapital-
Beschaffung ist der Begriff der Kapitalverwendung gegenüberzustellen. Die Verwendung von finanziellen Mitteln zur Beschaffung von Sachvermögen, immateriellem Vermögen oder Finanzvermögen (Maschinen, Vorräte, Patente, Lizenzen, Wertpapiere, Beteiligungen) bezeichnet man als Investition. Der Begriff Finanzierung ist nicht in jedem Falle identisch mit Geldbeschaffung; eine Finanzierung liegt auch dann vor, wenn z. B. eine Aktiengesellschaft eine Kapitalerhöhung durch Ausgabe junger Aktien vornimmt und die Übernehmer der Aktien als Gegenwert statt Geld Sacheinlagen (Grundstücke, Maschinen) zur Verfügung stellen. Hier erfolgen Finanzierung und Investition als einheitlicher Vorgang. Finanzierung ist also nicht nur Geldbeschaffung, sondern Kapitalbeschaffung in allen Formen (Eigen- oder Fremdkapital).

Ob der vermögen-mäßigen Gegenwert des zur Nutzung überlassenen Kapitals in Form von Geld, Gütern oder Wertpapieren zur Verfügung gestellt wird, ist für den Finanzierungsbegriff ohne Belang. Betrachtet man die Finanzierung (und Investition) vom Standpunkt der Bilanz, so zeigt sich die Kapitalbeschaffung im Kapitalbereich (Passivseite), der Auskunft darüber gibt, welche Kapitalbeträge dem Betrieb zur Nutzung überlassen worden sind und in welcher rechtlichen Form (Eigenkapital, Fremdkapital) das geschehen ist, während aus dem Vermögens-
Bereich (Aktivseite,  Positionen des Anlage- und Umlaufvermögens) zu erkennen ist, welche Arten von Vermögen (Geld, Wertpapiere, Sachgüter) die Kapitalgeber zur Verfügung gestellt,  d. h. welche augenblickliche Verwendung die Mittel gefunden haben. Sieht man von dem selteneren Fall der Einbringung von Sacheinlagen durch die Kapitalgeber ab, so erscheinen die vermögen-mäßigen Gegenwerte des beschafften Kapitals in der Bilanz zunächst als Zahlungsmittel (Bank, Kasse, Postscheck), bevor sie zur Durchführung des Betriebsprozesses, z. B. zur Beschaffung von Maschinen und Rohstoffen, verwendet, d. h. investiert werden. Der Finanzierungsbegriff schließt auch die Freisetzung investierter Geldbeträge durch den betrieblichen Umsatzprozess (Innenfinanz-
ierung) und damit die Bereitstellung dieser Mittel für erneute Investitionsvorgänge ein. Folglich finden Finanzierungsvorgänge ihren Niederschlag nicht nur auf der Passivseite der Bilanz, sondern sie zeigen
sich auch auf der Aktivseite – ggf. unter Konstanz der auf der Passivseite ausgewiesenen Kapitalpositionen -, und zwar als Vermögensumschichtungen.

Zur Finanzierung zählen auch Vorgänge, die eine Kapitalbeschaffung darstellen, aber letztlich keine Vermehrung des dem Betrieb zur Verfügung stehenden Vermögens zur Folge haben. Man bezeichnet dies als Umfinanzierung (z. B. Umwandlung eines Kredits in eine Beteiligung).

Für eine Systematisierung der einzelnen Finanzierungsarten lassen sich folgende Kriterien verwenden:

• Herkunft des Kapitals (Außenfinanzierung,  Innenfinanzierung),

• Rechtsstellung der Kapitalgeber (Eigenfinanzierung, Fremdfinanzierung),

• Einfluss auf den Vermögens- und Kapitalbereich,

• Finanzierung Dauer der Kapitalbereitstellung (unbefristet, langfristig, mittelfristig, kurzfristig),

• Anlass der Finanzierung (Gründung, Kapitalerhöhung, Verschmelzung, Umwandlung, Sanierung).

Bis zur Fälligkeit der angekauften Forderungen kann der Factor der Anschlussfirma einen Vorschuss leisten, üblicherweise bis zu 90 % der Forderung. Die Kosten für die Anschlussfirma setzen sich aus der Vergütung
für die einzelnen Funktionen zusammen:  Factorgebühr für die Debitorenabwicklung (0,5 – 2,5 % der Debitoren),  De/factor Gebühr für die Risikoübernahme (0,1-0,5 % vom Umsatz) und bankübliche Zinsen für die Vorschuss-
leistung. Der Vorteil des Factoring für die Anschlussfirma liegt darin, dass sie vorzeitig und sicher über Einnahmen verfügen kann und von Arbeiten im Zusammenhang mit der Zahlungsabwicklung entlastet wird.

Darlehen

Schuldrechtlicher Vertrag, durch den einem Darlehensnehmer Geld oder vertretbare Sachen auf Zeit zum Gebrauch überlassen werden.

Ausführliche Erklärung:

1. Begriff:

Schuldrechtlicher Vertrag, durch den einem Darlehensnehmer Geld oder vertretbare Sachen auf Zeit zum Gebrauch überlassen werden. Im allg. Sprachgebrauch werden die Begriffe Darlehen und Kredit im gleichen Sinn gebraucht. Im Kreditgewerbe versteht man unter Darlehen mittel- und langfristige Kredite, die in einer Summe ausgezahlt und für die eine regelmäßige Tilgung vereinbart werden. Damit reicht der rechtliche Begriff des Darlehens weiter als die bankgeschäftliche Bezeichnung. Jedoch wird auch der Kreditbegriff rechtlich sehr weit gefasst, so gibt es neben den vielen Kreditarten, die auch Darlehen sind, noch andere Formen wie Garantien und Bürgschaften, die keine Darlehen sind.


2. Gelddarlehen:

a) Vertrag:

Mit einem Darlehensvertrag verpflichtet sich der Darlehensgeber, dem Darlehensnehmer einen Geldbetrag in vereinbarter Höhe zur Verfügung zu stellen und zur Nutzung zu überlassen. Der Darlehensnehmer ist wiederum verpflichtet, den geschuldeten Zins zu entrichten und bei Fälligkeit den Geldbetrag zurückzuzahlen und sofern vereinbart, Sicherheiten zu bestellen. Darlehensverträge kommen wie andere Verträge durch zwei überein-
stimmende Willenserklärungen zustande, für Verbraucherdarlehen ist mit Ausnahme der Überziehungskredite
die Schriftform vorgeschrieben.

b) Zinsen und Entgelte:

Im Regelfall hat der Darlehensnehmer für das Darlehen Zinsen zu zahlen. Allerdings kann ein Darlehen auch zinslos gewährt werden. Die Höhe der Zinsen richtet sich nach den getroffenen Vereinbarungen oder den Sätzen im Preisverzeichnis, fehlen solche, so ergibt sich der Zins aus § 246 BGB (gesetzlicher Zinssatz/BRD).

Zulässig und banküblich ist es, neben den Zinszahlungen zusätzlich Entgelte zu verlangen (z. B. Bearbeitungs-
gebühren soweit gesetzlich zulässig, Bereitstellungszinsen). Darüber hinaus ist die Angabe des effektiven Jahreszinses (Effektivzins) verpflichtend, durch den die Gesamtbelastung als Prozentsatz ausgedrückt wird.

c) Kündigung und Rückzahlung:

Das Darlehensverhältnis endet mit dem Ablauf der Zeit, für die es eingegangen ist oder durch Kündigung
Bei Darlehen mit unbestimmter Dauer beträgt die Kündigungsfrist für beide Seiten drei Monate, ansonsten ist eine ordentliche Kündigung nur durch den Darlehensnehmer in den geregelten Fällen möglich.
Eine außerordentliche Kündigung ist sowohl seitens des Darlehensgebers als auch seitens des Darlehensnehmers (ggf. gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung) möglich).

d) Sondervorschriften für Verbraucher:

Zum Schutz von Verbrauchern bes. Vorschriften für Verbraucherdarlehen, worunter entgeltliche Darlehen zwischen Unternehmern und Verbrauchern zu verstehen sind, die in erster Linie für Konsumzwecke aufgenommen werden (Ausnahme: Existenzgründer, die ein Darlehen bis 50.000 Euro für eine gewerbliche oder selbstständige berufliche Tätigkeit aufnehmen.). Ein Verbraucherdarlehensvertrag kommt nur bei Einhalten der Formvorschriften und Mindestangaben wirksam zustande. Außerdem gilt explizit das Widerrufsrecht gemäß. Gerät ein Verbraucher in Zahlungsverzug, ist bei Teilzahlungsdarlehen das außerordentliche Kündigungsrecht der Darlehensgeber eingeschränkt.

e) Darlehensarten:

Nach den Tilgungsmodalitäten werden folgende Grundformen von Darlehen unterschieden:

- Festdarlehen (mit endfälliger Tilgung),

- Annuitätendarlehen (jährlich gleichbleibende Kapitaldienstleistungen, wobei der Zinsanteil während der
  Laufzeit sinkt und der Tilgungsanteil steigt),

- Abzahlungs- oder Ratendarlehen (Rückzahlung in gleichbleibenden Raten, wobei für die Ermittlung der
  Ratenhöhe die zu zahlenden Zinsen am Anfang zur Darlehenssumme hinzugerechnet werden).

Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl an Varianten wie z. B. das Schuldscheindarlehen (spezielle Form eines Großdarlehens), das Forwarddarlehen (Darlehen, das für einen zukünftigen Zeitraum verbindlich vereinbart wird) oder Darlehen, die als Mischformen Fremd- und Eigenkapitalelemente kombinieren (nachrangiges Darlehen, partiarisches Darlehen).

3. Sachdarlehen:

Form eines Darlehens, bei der sich der Darlehensgeber verpflichtet, dem Darlehensnehmer eine vertretbare Sache zu überlassen. Der Darlehensnehmer ist verpflichtet, das vereinbarte Entgelt zu zahlen und die Sache in gleicher Art, Güte und Menge zurückzuerstatten. Die gesetzlichen Regelungen über Gelddarlehen finden keine Anwen-
dung. Die Rückgabe der Sache erfolgt entweder bei Fälligkeit entsprechend einer Vereinbarung oder nach Kündigung. Spätestens bei Rückzahlung ist das Darlehensentgelt zu zahlen.
Sachdarlehen haben nur eine geringe praktische Bedeutung.

4. Steuerliche Behandlung:

Bei privaten Darlehensgebern führen Einnahmen aus der Vergabe von Darlehen (z. B. Zinsen, Disagio, Bearbeitungsgebühren) zu Einkünften aus Kapitalvermögen, für betriebliche Darlehensgeber zu Betriebseinnahmen. Sie unterliegen damit der Einkommen bzw. der Körperschaftsteuer. Bei Unternehmen gehören Darlehensforderungen zum notwendigen Betriebsvermögen und sind mit den Anschaffungskosten (oder ggf. mit dem voraussichtlich dauerhaft niedrigeren Teilwert) anzusetzen. Aufgenommene Darlehen, die betrieblich veranlasst sind, sind notwendige Betriebsschulden, die mit dem Rückzahlungsbetrag (i. d. R. der Nennbetrag oder aber ein höherer Teilwert) anzusetzen sind.

Investition

1. Begriff:

Langfristige Bindung finanzieller Mittel in materiellen oder in immateriellen Vermögensgegenständen.
Bei Investitionsentscheidungen steht die zielgerichtete Verwendung der durch die Finanzierung beschafften Finanzmittel im Mittelpunkt. In der Bilanz wird die Mittelverwendung auf der Aktivseite abgebildet, wobei Investitionsentscheidungen i. d. R. direkte Auswirkungen auf die Höhe des Anlagevermögens haben und zusätzlich indirekte Auswirkungen auf die Höhe des Umlaufvermögens.

Gegensatz: Desinvestition.

2. Arten:

Nach Art des Investitionsobjekts lassen sich folgende Investitionen unterscheiden:

a) Realinvestition oder Sachinvestition (z. B. Maschinen, Kraftfahrzeuge),

b) immaterielle Investition (z. B. Software, Patente),

c) Finanzinvestition; (z. B. Beteiligungen, Forderungen).

Investitionen können des Weiteren nach dem Anlass unterschieden werden, wobei sich die Investitionsanlässe in der Praxis häufig überschneiden:

a) Gründungsinvestition oder Errichtungsinvestition,

b) Ersatzinvestition,

c) Erweiterungsinvestition,

d) Rationalisierungsinvestition.

3. Charakteristika:

Investitionen sind durch ein hohes Volumen an finanziellen Mitteln, durch die langfristige Kapitalbindung, durch eine hohe Komplexität und vielfältige Interdependenzen zu verschiedenen betrieblichen Teilbereichen charakterisiert. Darüber hinaus sind sie i. d. R. nicht oder nur unter hohen Kosten reversibel.

4. Vorteilhaftigkeitsbeurteilung:

Angesichts der Charakteristika erfordern Investitionen einen strukturierten und sorgfältigen Entscheidungs-
prozess (Investitionsplanung), in dessen Mittelpunkt die Investitionsrechnung steht. Mithilfe von Investitionsrechenverfahren werden die Auswirkungen der Investition auf die monetären Unternehmensziele
(z. B. Rentabilität, Wertsteigerung) erfasst. Die Auswirkungen einer Investition auf die nicht monetären Ziele
des Unternehmens (z. B. Marktanteilswachstum, soziale Ziele, Umweltziele) fließen ebenfalls in den Investitionsentscheidungsprozess ein, allerdings außerhalb der Investitionsrechnung.